WT-SCHULE DES JAHRES!


WingTsun Welt 15 (1993)


Groetjes van de NWTO!



Die "Nederlandse WingTsun Organisation" läßt grüßen! Wer mit dem Schiff nach Amsterdam fährt, kommt direkt an der Haustür der NWTO vorbei: Fünf Minuten vom Amsterdammer Hauptbahnhof entfernt, mit Blick auf die Handelsstraße, liegt die Zentrale. Von der großen Dachterrasse sieht man aufs Meer.

Alle Schiffe, die in Amsterdam einlaufen oder die niederländische Weltstadt verlassen, ziehen hier, am "handelskade 7", vorrüber.

Auf zweihundert Quadratmetern Trainingsfläche tummeln sich WT-Schüler zwanzig verschiedener Nationen. In den Anfangsjahren der NWTO gab es sogar mehr ausländische als niederländische Schüler.

Mit einem dicken Wörterbuch im Handgepäck und viel, viel Unternehmergeist sind Sifu Frank Schäfer und seine Frau Petra Schäfer vor sieben Jahren hierher gekommen. Auf Holland war die Wahl eher zufällig gefallen. Sifu Frank kannte und mocht die Stadt von Urlaubsbesuchen.

Er ist sozusagen einer der jüngsten Veteranen des WingTsun in Europa: Frank Schäfer, jetzt 26 Jahre alt, hat 1980 begonnen, WT zu trainieren. Schon mit 15 Jahren unterrichtete er in Kassel. Simo Petra weiß, wie eng verwachsen ihr Mann mit dem WingTsun ist: 'Das ist sein Leben. Wenn du ihn im Schlaf berührst, macht er Chi-Sao!'

Wohnung und Schule liegen im gleichen Gebäude. Auf ihre günstige City-Lage - hier gibt es sogar bewachte Parkplätze, für Amsterdam eine echte Rarität - kann die NWTO erst seit ein paar Monaten stolz sein. Es war nicht leicht, WingTsun in Holland einen Platz zu sichern.

Die Kampfkunstszene wird schnell in Verbindung mit Unterweltkreisen gebracht - häufig zu recht.


Gab es anfangs auch Rückschläge? 'Du solltest lieber fragen, ob anfangs irgendetwas glatt gelaufen ist!' kommt die Antwort zurück. Unzählige Behördengänge, Betrug und Drogenkriminalität machten den WT-Pionieren das Leben schwer.
Als endlich ein Haus für die Schule gefunden war, alle Verträge abgeschlossen und viel Geld investiert, schlugen die Hausbesetzer zu: Das Gebäude wurde "gekraakt" - holländisch für "besetzt". In Amsterdam gibt es viele geduldete Hausbesetzungen. Auch in diesem Fall fürchtete die Polizei bei einer Räumung "bürgerkriegsähnliche Zustände" in der Wohn- und Geschäftsgegend. Die richterliche Entscheidung steht bis heute aus.

Hinzu kam das immer noch vorhandene Mißtrauen gegenüber den Deutschen. Die Nazi-Vergangenheit wirkt bis heute nach. Dabei sei die ältere Generation sogar eher bereit zu vergessen als die jüngere, berichtet Sifu Frank.

Der Nationalismus zieht Spuren bis in den Sport: Die Fußball-Weltmeisterschaft von 1974 werde bei jedem Länderspiel wieder aufgekocht... 'Trotzdem', dagt Sifu Frank, 'ist uns die Mehrheit der Holländer sehr aufgeschlossen begegnet. Und wenn man sieht wie großmäulig sich manche deutschen Touristen in Amsterdam benehmen, kann man ihre Vorbehalte sogar verstehen.'

Der Rassismus in Deutschland hat natürlich in den letzten Monaten dem deutschen Ansehen auch in Holland geschadet. 'Andererseits heben die in Deutschland von manchen belächelten friedlichen Lichterketten gegen Ausländerfeindlichkeit den Holländern auch Hoffnung gemacht.'

Für den Kampfsport ist Amsterdam ein internationales Pflaster. In den Niederlanden gibt es eine lebendige Kickbox-Szene. Insgesamt sind Budo und Wu Shu aber nicht so stark wie in Deutschland vertreten. Aus der Kolonialzeit stammt der Einfluß Indonesiens: Besonders beliebt ist heute noch der indoniesische Penjac Silat-Stil. Einen Dachverband dieser Schulen gibt es aber nicht. Auch die Abart Wing Chun ist vertreten.


Die NWTO hat es inzwischen auf 350 Mitglieder gebracht, allein 200 trainieren in Amsterdam. Und es werden immer mehr: Nach Almere und Amstelveen sind jetzt unter anderem Schulen in Breda, Diemen, Haarlem Rotterdam und Wormer in Vorbereitung. Thomas Dörrier wird bald in Venlo seine erste Schule eröffnen.

Sifu Fank unterrichtet auch Escrima. Die Escrima-Meister René Latosa und Bill Newman schauten schon vorbei, im September dieses Jahres gab Si-Gung Kernspecht einen Lehrgang in Amsterdam, und Sifu Frank hat große Hoffnungen: 'Wer weiß, vielleicht delingt es uns in den nächsten Jahren sogar, Großmeister Leung Ting nach Amsterdam zu lotsen?'

Einen Besuch ist Amsterdam allemal wert. Die Großstadt hat viel zu bieten, unter anderem eine interessante Musikszene. Auch hier mischt Sifu Frank mit: In dem Gebäude der NWTO-Zentrale befinden sich auch die professionellen Studioräume des Privatschülers Harry Schat, eines Gitarristen. Schon so mancher prominente Musiker aus dem In- und Ausland ist so bei einem Besuch am "Handelskade 7" in Kontakt mit WingTsun gekommen.

Bei der zufälligen Begegnung soll es natürlich nicht bleiben: Mit Demos auf Stadtfesten, in Sportzentren oder bei allgemeinen Kampfsportereignissen bemühen sich Sifu Frank und Simo Petra, WingTsun in Holland bekannter zu machen. 'Die anfänglichen Schwierigkeiten haben uns noch stärker zusammengeschweißt', sagen die beiden übereinstimmend. 'Und wenn es auch oft nicht leicht war, ein erstes Zwischenziel haben wir erreicht. Mit unserer schönen großen Schule in Amsterdam und fähigen Ausbildern sind wir sicher: 1994 wird ein gutes Jahr.'

Tot ziens - bis bald - in Amsterdam!



Tekst: EWTO