Meine WT-Demo auf der großen Geburtstagsfeier von Großmeister Leung Ting in HK.

Bericht Simo Petra Schäfer



Schon lange stand fest, daß Sifu Frank Schäfer und meine Person bei der großen Party nicht fehlen durften, obwohl wir im Vorfeld besonders viel zu tun hatten, weil wir mit dem holländischen Hauptquartier umziehen mußten.
Da der Stadttrat beschlossen hatte, die ganze Oostelijke Handelskade 'dem Erdboden gleich' zu machen (es inzwischen auch schon getan hat), um den Passagier-Terminal ausbreiten zu können, blieb uns keine andere Wahl.
Wie auch immer, zur Vorbereitung blieb uns nur wenig Zeit.

WT-Selbstverteidigung, Chi-Sao, Chi-Gerk, Lat-Sao, sowie Bodenkampf und Anti-Bodenkampf sollten demonstriert werden. Die ganze Demo durfte aber nicht länger als 10 Minuten dauern, da auch noch andere Kampfkunst-Vertreter etwas vorführen wollten. Ich habe zwar schon viele Demo`s mit Sifu Frank gegeben, das war aber nicht vor so einem qualifizierten Publikum. Fast alles was 'Rang und Namen' hatte, sollte anwesend sein.

So war ich von Anfang an sehr nervös. Um mich zu beruhigen sagte Sifu Frank "Entspann' Dich, es wird schon klappen, denk` doch mal an das, was Du in der Vergangenheit schon alles geleistet hast, selbst solltest Du einen 'Black Out' haben, kannst Du Dich immer noch auf Deine Reflexe verlassen!"

So machten wir uns also auf die große Reise. Der große Tag kam, es war der 28-02-1997. Um 16.00 sollte die Generalprobe stattfinden, im Federal Restaurant auf der Nathan Road.

Als wir um 16.00 eintrafen herrschte dort ein wahres Chaos. Selbst Großmeister Leung Ting und Dai-Sifu Kernspecht sahen sehr gestreßt aus. Da der Festraum noch nicht zu unserer Verfügung stand, ging alles drunter und drüber.

Unter anderen standen wir, als die holländische Vertretung erst gar nicht auf der Demo-Liste. Als Sigung Leung Ting davon hörte, wurde er eben 'sehr ungehalten' - und schwupps waren wir doch auf der Liste.


Es war inzwischen schon 17.30, aus der Generalprobe wurde nichts mehr, sodaß wir zumindest ein paar Stühle zur Seite räumten um uns, in unserer Straßenkleidung, wenigstens ein bißchen (zwischen den noch essenden Restaurant-Besuchern) 'warm-zu-trainieren'.

Da jeder noch mit dem Aufbau der Musikanlage und der Dekoration beschäftigt war, konnten wir gerade noch schnell in unser Hotel eilen, um unsere Abendgaderobe (für später) zu holen.

Wir standen auf der Demo-Liste an dritter Stelle (vor uns war ein traditioneller Löwentanz und Sifu Turan Ataseven mit Team). Natürlich verzögerte sich unser Auftritt um gut zwei Stunden, aber gegen 21.30 stand ich dann mit Sifu Fank Schäfer auf der sogenannten Bühne. Unsere Demo-Musik ('Rebel Yell' von Scooter) begann, es gab keinen Weg zurück...
Sifu Frank griff mich an und alles schien sehr gut zu laufen. Allerdings habe ich bereits bei der zweiten Technik (von ca. 20) mein Bein (durch den stark nachgebenden Boden) derart verdreht, daß ich ein lautes knacken hörte, es schoß ein Schmerz bis in den Kopf (Später stellte sich dann heraus, daß mein rechtes Wadenbein vom untersten drittel bis ins Gelenk vertikal gebrochen war).

Es war plötzlich als wäre ich in einen Film, ich vergaß alles, was um mich herum passierte. Ich nahm weder das Publikum noch unsere Musik wahr. Meine ganze Aufmerksamkeit war nur noch meinem Gegner gewidmet, und natürlich dem Gedanken, daß unsere Demo weiter gehen mußte. Wir haben dann noch einiges aus der SV sowie selbst Anti-Bodenkampf mit Anti-tackling gezeigt...

Ich war später selbst sehr erstaunt, was ein Körper unter so großer Anspannung alles leisten kann. Nach der zweiten Technik kann ich mich eigentlich an den Verlauf nicht mehr erinnern. Es waren reine Reflexe, die mein Handeln in dieser Situation möglich gemacht haben, denn trotz der schmerzhaften Verletzung habe ich unsere Demo doch noch bis fast zum Ende durchziehen können, nur die geplanten Kettentritte waren nicht mehr durchführbar.
Gleich nach der Demo wurde mir klar, daß da etwas drastisches passiert war, als einfach umgeknickt zu sein.


Ich fand mich dann auf dem Boden des kleinen Umkleideraumes hinter der Bühne wieder. Großmeister Leung Ting kam sofort zu mir und konnte kaum glauben, daß mein Bein so verletzt war, denn er fand meine Demo 'really impressive' - ein Lob das mir, besonders von ihm, sehr gut tat.

Auf einmal wurde es sehr eng im Umkleideraum (direkt hinter der "Bühne"). Einige chinesische Fotografen machten Fotos von mir, wie ich mit wohl schmerzverzerrten Gesicht am Boden lag, als Sifu Frank das sah schmiß' er sie raus.

Mittlerweile war auch mein Sisuk-Kung Cheng Chuen Fun an meinem Bein, er ist auch ein bekannter 'Bonesetter'. Aber auch er schien bei mir an die Grenze seiner Möglichkeiten zu sein, sein Druck linderte zwar eben den Schmerz, aber er kam gleich darauf wieder zurück. Nach einigen verweilen in der Umkleidekabiene beschloß ich, den Schmerz weiterhin zu unterdrücken, mich umzuziehen, um doch noch etwas von der Party mitzukriegen.

Und so fand ich mich mit Frank nach einigen Schwierigkeiten (die Restaurantangestellten wollten uns erst in einen der Hinterzimmer bringen, da alle Plätze im Festsaal bereits besetzt waren) an einem 'Ehrentisch' wieder. Si-Fu Kernspecht sorgte, äußerst fürsorglich, sofort dafür, daß alle an seinem Tisch etwas zusammenrückten, sodaß wir noch zwischen paßten.

Neben uns saßen Dai-Sifu und Simo Kernspecht, Jacqueline Bisset (die wir bereits von Amsterdam her kannten), sowie Sihing Emin, Bill Newman mit Ehefrau und noch einigen andere selektierte Leute.
Trotz allen (abgesehen von meinen 'Ernennungen' natürlich) war es für mich noch ein sehr interessanter Abend, zumal ich auch viele hochrangige Vertreter der Kampfkünste persönlich kennen lernen konnte (einer unserer Schüler teilte uns vor kurzem mit, daß er uns, wohl über Satelit, im Hong Kong`er Fernsehen gesehen habe).

So gegen 1.30 war die Party abgelaufen; es wurde Zeit, um mit einer Ambulance in ein Krankenhaus zu fahren, aber das ist eine andere Geschichte...

Petra Schäfer, Lady-Sifu of WingTsun