WT- UND ESCRIMA-LEHRGANG IN LIVORNO/ITALIEN


WingTsun Welt 15 (1993)



Livorno - drei Silben, die klingen nach Ambiente, Genuß und hingebungsvollen Unterricht. Der Name mit diesen drei Silben hält, was er verspricht!

Ich habe bereits das Vergnügen gehabt, Livorno im Sommer und im Herbst kennengelernt zu haben, diesmal war ich jedoch gespannt, wie es dort im Winter aussehen würde. Nach rund Null Grad in Holland erwarteten mich bei Ankunft doch noch sonnige 15 - 18 Grad (Celsius natürlich). So, das Wetter war also schon mal recht freundlich, aber wie werden sich die Temperaturen im Training bemerkbar machen?

Der anstehende "5-Tage-Kleingruppen-Lehrgang" würde hierüber wohl bald Aufschluß geben.

Auf der Tagesordnung (eigentlich "Wochenordnung") stand eine Menge Punkte, u.a.:

- Die 12 Schülergradprogramme (mit Schwerpunkt auf Chi-Sao, Stockabwehr, Verteidigung gegen mehrere Angreifer, detailierte Auslegungen zur variablen WT-Kampfposition, Standkraft und den Verformungen im WT).

- Die Technikerprogramme (Chi-Sao-Sektionen, Lat-Sao-Programme, sowie die ersten Sätze der WT-Holzpuppenform) wurden von Dai-Sifu Kernspecht ebenfalls sehr gewissenhaft ausge- legt und auch einige Episoden aus der EWTO-Vergangenheit (natürlich mit viel Humor) zum Besten gegeben.

- Da auch der mit fast unzähligen Titeln "beladene" und äusserst sympatische TKD-Europameister Oktai Çaker aus Hamburg anwesend war, wurde kurzerhand ein Fototermin (auch ein italienischer Journalist war zugegen) angesagt, das Freundschaftsbündnis mit der internationalen WT-Familie wurde besiegelt.


Um einen passenden Slogan zu finden, mischte sich auch der "Wahl-Holländer" (das war ich) ein, mit der nicht ganz neuen, aber für diese Situation durchaus treffenden Bemerkung: "Ich mach` WT, nicht immer, aber immer öfter!"

(Sollten Copyrightprobleme auftreten ginge auch: "Ich mach` WT, nicht immer aber immer wieder!")

- Als Besonderheit stand auch die Prüfung der vier ersten italienischen Technikergrade an!

- Am Samstag fand unter Bill Newman ein sehr gut besuchter Escrima-Lehrgang statt; die Anzahl der Escrimadore hat sich im letzten Jahr in Italien nahezu verdoppelt, so daß man nun kaum noch vom Hobby Escrima sprechen kann.

Escrima wächst mittlerweile zur eigenen gut besuchten zweiten Disziplin der EWTO an. Außer der intensiven Pionierarbeit von Sifu Filippo Cuciuffo, 3. TG WT, und seinen italienischen Ausbildern, hatte das von Master Bill Newman stark verbesserte Escrima-Unterrichtsprogramm sicherlich einen großen Einfluß auf diese positive Entwicklung.

- Samstagabend war dann Feststimmung angesagt, die TG-Anwärter und auch die zum Lehrgang anwesenden Technikergrade waren zum Dinner geladen, klar daß hierbei "kein Auge trokken blieb". Den "Vorsitz" dieser fröhlichen Runde führten Dai-Sifu Kernspecht, Simo Kernspecht und Master Bill Newman.

Es war eine bombastische Stimmung von internationaler Präsenz, es wimmelte nur so von englischen, italienischen, deutschen, schweizerdeutschen und auch holländischen Kommentaren.


Von alten "Verbandsinternen Erlebnissen" bis zu internationalen politischen Ansichten und Erfahrungen war kein Thema sicher, kurzum es war ein äußerst stimmungsvoller und überaus gelungener Abend, und die Stunden vergingen mal wieder wie im Fluge. Es wurde erneut deutlich, daß es sich bei uns wirklich um einen "Familienstil" handelt.

- Der Sonntag war dann der große Tag, es wurden im Beisein von Bill Newman mit allen Ehren die Techniker-Urkunden überreicht (auch für mich blieb dieser Tag unvergessen, erhielt ich doch meine Urkunde zum IV. TG WT).

- Abschließend wäre zu bemerken, daß Sifu Kernspecht wieder unglaublich (und ich meine wirklich unglaublich!) gut drauf war.

Von der vielzitierten "laxen Trainingseinstellung" der Südländer war nichts zu merken, die allgemeine Trainingsmoral war schon fast überdurchschnittlich, was zum Teil natürlich auch an der fantastischen Stimmung lag, die Dai-Sifu Kernspecht und sein italienischer Vertreter und Übersetzer Sifu Filippo Cuciuffo und last not least Bill Newman verbreiteten.

Dann hieß es, von den Lehrgangsteilnehmern Abschied nehmen, nach all der genossenen Herzlichkeit, ein schon beinahe schmerzlicher Vorgang, aber es war sicherlich kein Abschied für lange, weil: "I`ll be back!"

Sifu Frank Schäfer